Nadelbinden, Fingerloopen, sticken, nähen und sprangen

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Auf das Nadelbinden sties ich recht spät, man hörte das eine oder andere, aber nichts genaues und ich konnte mir bis vor kurzem auch keinen Reim draus machen. Das lag wohl daran, das Nadelbinden bei uns im Süden von Deutschland vergessen war. Man hört noch von den Alten aus dem Norden, das sie wohl in dieser Technik das eine oder andere noch arbeiten, wie zum Beispiel Fender bei Schiffen. Und eine Tante eines Mitglieds einer Nadelbindegruppe hatte die Technik noch erkannt, in der eine Mütze gearbeitet wurde.

Ein bisschen Geschichtliches


Nadelbinden wird schon seit der Jungsteinzeit praktiziert, der älteste Fund, 6 winzige Fragmente, stammt aus der Nahal-Hemar Höhle aus Israel und wird auf 7000 v. Chr. datiert. Man ist sich noch im Unklaren, ob da Menschen- oder anderes langes glattes Haar verwendet wurde. Die Fragmente wurden in einfacher Verschlingung gebunden und dürften wohl etwas grosses flächiges wie ein Netz oder eine Decke gewesen sein. 4 200 v. Chr. stossen wir noch einmal auf eine Nadelarbeit, von der aber weiter nichts bekannt ist.

Seit der frühen Antike werden vor allem in China Funde von Kopfbedeckungen gemacht, die etwa auf 1000 - 400 v. Chr. datieren und im einfachen Schlingstich gearbeitet sind. Auch eine römische Socke in Nadelbindung, bei der aber alles andere unklar ist, wurde gefunden. Im 4. bis 9. Jhdt. n. Chr. wurden viele ägyptische, bzw. koptische Socken gefunden, die teilweise sogar im Royal Ontario Museum in Toronto ausgestellt sind. Diese wurden im Schling- bzw. im Strickstich genadelt.

Vom skandinavischen Raum erhält man erstmals aus der Bronzezeit einen Fund: Ein Frauenhemd im Languettenstich gearbeitet gefunden in Skydstrup/ Dänemark. Danach hört man lange Zeit nichts, erst zur Zeit des Hochmittelalters häufen sich die Funde von Handschuhen aus Grabfunden, Socken und Kopfbedeckungen.

Auf den britischen Inseln wurde in York die Coppergate-Socke gefunden, nach deren Konstruktion im allgemeinen heutzutage die Socken nachgenadelt werden. Ihr Fund wurde auf 970 n. Chr. datiert und mit dem Stich F2 UU/OOO genadelt.

Zur gleichen Zeit etwa etablierte sich mehr oder weniger auch auf dem europäischen Festland das Nadelbinden, bis nach Italien runter. Die meisten guterhaltenen Funde sind allerdings Pontifikalfingerhandschuhe, bzw. Stücke von hohen Würdenträgern, die besonders gut aufgehoben wurden So ist auch ein Leinenhandschuh Maria's von Aragon erhalten, bei dem allerdings strittig ist, ob nicht nur das Bündchen genadelt wurde, der eigentliche Handschuh gestrickt. Pontifikalaccesoires wie Fingerhandschuhe, Reliquienbörsen oder auch mal Strümpfe, werden in den Domschätzen aufbewahrt und sind meistens für den Otto-Normal-Verbraucher nicht zu sehn.

Das bei den restlichen Stücken immer nur ein Fragment übrigblieb, haben wir dem Umstand zu verdanken, das ab und an mal doch ein Stück auf natürliche Weise konserviert wurde.

Bis ins 16./17. Jhdt. wurde in Europa bzw. Skandinavien genadelt, Mützen, Socken, Beutel, Milchsiebe und andere Realien, ein sehr junger Fund ist ein auf 1628 datierter Leder-Handschuh mit Innenteil aus Nadelbindung aus dem Schiffswrack der Wasa. Milchsiebe, zwischen dem 17. und dem 19. Jhdt. werden auch gefunden.

Bis in die Neuzeit werden Funde im skandinavischem Raum gemacht, aber auch in aussereuropäischen Landen wie Afrika, in dem immer noch Zeremonialmasken (20. Jhdt.) in Nadelbindung hergestellt werden oder Kopfbedeckungen aus Ägypten (20. Jhdt., El Armana), Nordamerika das Decken hervorbrachte die auf das späte 19. und frühe 20. Jhdt. datiert werden und Südamerika, in denen immer noch aktiv genadelt wird, als Zeugnis alter Kultur.

Inwieweit Nadelbinden vom Stricken verdrängt wurde, wage ich nicht einzuschätzen, da es ja parallel neben dem Stricken, das seinen Anfang im 13. Jhdt. nahm und in der hoch- und spätmittelalterlichen Mode in Mitteleuropa eine grosse Rolle einnahm, noch einige Zeit erfolgreich weiter existierte. Sicher war Stricken so gesehn erfolgreicher, nur wann der absolute Wechsel stattfand, weiss keiner mehr so genau ;-)
(Quelle:
Museumsdorf Düppel )

Und Aktuelles


Das Nadelbinden erlernte ich von Bernhard Dankbar's wirklich sehr guter Seite - hier muss ich ihm doch meinen herzlichen Dank aussprechen für die wunderbare bildliche Anleitung des Grundstiches Oslo, Bernhard, Deine Anleitung ist beispielhaft super - und am Anfang nadelte ich nur olle Schläuche.
Vom 7. bis zum 10. April fand allerdings das 1. Nadelbindetreffen in Homberg/Efze statt wo ich noch einmal einen tieferen Einblick in die Materie hatte und ich begann mein erstes Paar Socken zu nadeln. Das Material war die Urwolle von Wolle Rödel, die leider ausverkauft wird. Gearbeitet wurde im Oslo-Stich, den auch Bernhard auf seiner Seite beschreibt.



Mittlerweile hat auch Dago auf ihrer Seite, der ursprünglichen Präsenzseite des 1. Deutschen Nadelbindertreffens,
Nadelbindung , eine umfangreiche Sammlung an Informationen geschaffen, Stichgalerie- und beschreibungen, Buchvorstellungen, das Nadelbindetreffen geht in die 2. Runde, Anmeldungen sind noch möglich, Nadelgalerien u. v. m.

Nadeln und Material

Werkzeug: Holznadel aus Ebenholz

Was besonderes: Eine Nadel für den Omani-Stich aus Buchenholz

Meine erste Nadel war eine Holznadel, die Ingo vom alten Flinkhandforum aus Kirschholz geschnitzt hatte (Danke Ingo :-*) Auf dem Nadelbindetreffen hatte ich aber noch zwei weitere Nadeln aus Eiche und Birke geschnitzt und mittlerweile sind sie auch im Gebrauch. Allerdings war bislang die Nadel, die Ingo geschnitzt hatte meine Lieblingsnadel, nur diese habe ich verloren. *heul* Melly, bzw. Yla im Flinkhandforum, hatte mir zu Weihnachten oder Geburtstag (?) eine neue Nadel aus Kiefer geschnitzt, die flutscht genauso reibungslos durchs Gewebe, nochmal ein dickes Dankeschön an Melly :-*

Hingegen Düppel auf seiner Seite zum Nadelbau Äste vorschlägt, die 3 cm dick sein sollen und noch dicker, habe ich die Nadeln aus sehr viel dünneren Ästen geschnitzt und es ging mega einfach. Einfach den Rohling aus dem Ast zurecht geschnitzt, dabei habe ich einen Stiel zum halten beim schnitzen übrig gelassen. Man beachte, das man nicht grade ein Astloch erwischt, sonst geht es ziemlich schwer, aber es geht! Und frisch sollte der Ast sein, ein trockener Ast lässt sich ganz schwer schnitzen. Danach habe ich zum Öhr schnitzen an der Stelle an der das Öhr sein soll von beiden Seiten das Holz zerfasert und dann den Rest rausgepopelt und mit der kleinen Rundfeile glatt geschliffen. Zum Nadelbau kann man sämtliche Hölzer nehmen, ausser harzige Nadelhölzer. Bevorzugt sind Harthölzer wie Buche und Eiche, aber auch Flieder und Eibe werden gerne genommen. Was ganz edles sind Nadeln aus Rosen- und Zedernholz.

Als Material eignet sich natürlich hervorragend reine Schafwolle und andere Wollarten, sie sollten filzen, damit man den Faden gut anfilzen kann und man sie je nachdem nach dem Verarbeiten filzen kann, das das Gewebe dicht wird.

Die herkömmliche Sockenkonstruktion (Coppergate Sock):


6 Luftmaschen nadeln, dann zu einem Ring schliessen. In der ersten Reihe jeweils 2 Maschen zunehmen + die eigentliche Masche sind insgesamt 3 Maschen. In der 2. Reihe nur noch eine Masche zunehmen + die eigentliche Masche sind 2 Maschen insgesamt. Bei Bedarf am Rist zunehmen. Fersenkappenloch freilassen. Nur eine oder 2 Reihen weiternadeln, sonst kriegt man die Ferse nimmer rein. Für das Fersenkäppchen 6 Luftmaschen nadeln und dann gleich wieder rumdrehn und weiternadeln, das kein Luftloch entsteht. Um die Kurven insgesamt 6 Maschen zunehmen, d. h. in eine Masche 2 zunehmen + 1 Masche, die eigentliche. Dann das Käppchen einsetzen. Am besten geht das nach Claudia: Erst eine Masche am Käppchen komplett fertigmachen und vorm Durchziehn aber noch die eigentliche Socke mit vernadeln. Also auch in 2 Maschen stechen (wie beim Oslo). Nachzulesen und Bildmaterial bei http://www.nadelbindung.de

Die bessere Sockenkonstruktion:


Man nadele die Socke wie gehabt bis zum einsetzen der Ferse. Aber ich habe keine Ferse extra genadelt, ich habe sie direkt an der Socke angenadelt. Also in Runden in den Versenschlitz reingenadelt und dann in den Ecken immer 4 Maschen abgenommen. Bis man irgendwann etwas mehr als die Hälfte genadelt hat und dann einfach jede zweite Masche abgenommen, also übersprungen. Bis nichts mehr geht. Wesentlich einfacher, sauberer, unkomplizierter ...

Projekt


Am 30.04. – 01.05.2005 fand unser erster Markt mit Lager statt und dort trug ich mein zweites Paar genadelte, ungefilzte Socken. Es war sommerhaft heiss, aber ich schwitzte nicht in den Socken und zu meiner Überraschung waren sie abends an den Fuss gefilzt. Jetzt passen sie wahrscheinlich keinem andern mehr.

Socken in Doppelspiraltechnik genadelt im Dalby (F1 UOU/OUOO). Die Wolle ist von Wolle Rödel gewesen und es war Dochtgarn Homespun Urwolle und Schafwolle. An die Socken kamen Hüttenschuhsohlen, die gibts als Hüttenschuhe für zuhause



Der Asle-Umhängebeutel mit einem Innendurchmesser von 22 cm. Anthrazitfarbene und wollweisse Schurwolle in Nadelstärke 4. Der Einkaufschip zum Grössenvergleich.





Rekonstruktion der in York gefundenen Socke. Genadelt im Oslo (F2 UO/UOO). Hier habe ich zum erstenmal an der Ferse hinten hoch in Fläche genadelt.



Mehr gibts hoffentlich wieder bald, wenn sich mein Privatleben wieder beruhigt.


Oslo Stich (F1 UO/UOO)

Broden Stich (F1 UOOOO/UUUOO)

sehr viel dichtere Variante des Oslo (bis F1 UOOOOOO/UUUUUUOO)

Mammen Stich/ Korgen Stich (F1 oder F2 UOO/UUOO)

York Stich (F1 oder F2 UU/OOO)

Saltdal Stich (F1 UU/OOOU)

Dalby Stich (F1 UOU/OUOO)

"doppelter Dalby" (F1 UOOU/OOUOO)

Finnischer Stich (F1 UUOO/UUOOO) und der

Åsle Stich (B1 F1 U(U)O/UO:UOO).




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