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Modernes Nähen kann ich gar nicht, ich nähe Kleidung des 15. Jhdts. vom Adelsgewand bis zum Bauersgewand war schon alles dabei.

Angefangen hat das alles vor 2 bis 3 Jahren als ich begann mich für das Mittelalter zu interessieren und nach einem Maschinenstich kam der Handstich, nach dem Polyesterfaden kam das Leinengarn.

Der kommende Aufsatz ist keinesfalls das Non-plus-Ultra, sondern nur ein kleiner Abriss dessen, was ich recherchiert und erfahren habe. Er stellt keinen Anspruch auf Richtigkeit und soll viel mehr zum selber weiter recherchieren anregen.


Kleidung als Spiegelbild des Wohlstandes - Der Adel

Die Kleidung des Adels war stark dominiert von langen Kleidern und ausladenden Röcken und noch längeren Schleppen. Kleriker sahen auf allen Schleppen der Frauenkleidung kleine Teufel tanzen. Zu Beginn des Jahrhunderts trug der Adel Houppelanden, lange Überkleider, die mit einem breiten Gürtel knapp unter der Brust gegürtet wurden. Für eine kurze Zeit waren gezaddelte, kunstvoll geschnittene, Säume sehr modern, kombiniert mt einem Stehkragen. Weite, bis über den Boden reichende Tütenärmel mit gezaddeltem Saum hielten sich lange, bis sie von enganliegenden Ärmeln infolge der burgundischen Modeeinflüsse verdrängt wurden.Der Burgundische Hof war zu dieser Zeit der führende Hof in Sachen Kunst und Mode. Dieser beeinflusste wesentlich die Mode in Mitteleuropa. Während in Deutschland die Houppelanden vorne geschlossen waren, fungierten die in Fankreich wie ein Mantel und blieben offen. Um 1440, als Phillip der Gute, Herzog von Burgund in permanente Trauer verfiel, avancierte die Farbe Schwarz zur Modefarbe schlechthin und war seither nicht mehr allein dem Klerus vorbehalten. Schwarze Houppelanden, burgundische Kleider aus Leinen, Wolle, Brokat oder Seide, abgesetzt mit weissen oder hellen Pelzen oder Seidensamt. Die Kleidung war bestickt mit Edelsteinen und Perlen, oder Glasperlen und abgefüttert mit bunten, kontrastfarbenen Stoffen (ob reine Baumwolle ist und bleibt eine Streitfrage). Der burgundische Einfluss hielt sich bis etwa 1460. Die italienische Mode hielt danach Einzug. Grob gesagt kann man sagen, das Deutschland den Italienern etwa 10 Jahre hinterher hinkte. Gegen Ende des 15. Jhdts. verschwindet die klassische Houppelanden-Form ganz und die Renaissance hält Einzug in Mitteleuropa. Die weite Form der Kleiderschnitte weicht nun enganliegenden, frontgeschnürten Klamotten, die Taille verschiebt sich nach unten. Die schmalen Ärmel, die in der Mitte des 15. Jhdts. sehr modern waren, weichen nun Puffärmeln.

Eine modische Ausnahmeerscheinung um stellt der Einhornzyklus mit den fünf Sinnen dar. Die Kleidung und der Schmuck der dargestellten Damen dürfte in dieser Ausführung wohl kaum real existent gewesen sein, jedenfalls ist das meine Meinung.

Die Männermode unterschied sich in den Adelsschichten nicht sonderlich von der Frauenmode, auch sie trugen Houppelanden in der ersten Hälfte des 15. Jhdts. allerdings waren die Röcke nicht so weit und die Schleppen, wenn überhaupt vorhanden, nicht so lang. Auch der breite Gürtel sass tiefer als bei den Frauen. Während die ältere Generation gerne noch die Houppelande weiterhin trug, kristallisierte sich Mitte des Jahrhunderts bei den Jüngeren ein neuer Trend heraus: Je enger desto modischer. Das Doublet, eine sehr enge Jacke, das an die noch nicht ganz durchgenähte Hose angenestelt werden musste, blieb für mehrere Jahrzehnte und in einfacher Form als Wams der Mänenrwelt noch lange erhalten. Der Adel verwendete teuere Seidenstoffe und Wollbrokate für sämtliche Kleidung, abgefüttert mit bunter orientalischer Baumwolle. Die Hose, deren Hosenbeine durch die Schamkapsel, die ale Formen und Grössen erreichen konnte, miteinander verbunden war, sass modisch so knapp, das man beim Bücken das Gesäss sehn konnte. Sie mussten aus schräg zugeschnittenen Teilen zwecks Elastizität, genäht werden, konnten hinten an den Waden bisweilen sogar geschnürt sein, das sie auch ja eng anlagen. Eine Hose konnte einen Strumpf aufweisen, einen Steg das sie nicht hoch rutschte oder auch gar nichts. Die Doublet/Wams/Hosen-Mode setzte sich im Laufe des Jahrhunderts, spätestens ab etwa 1450 als Renner ganz durch.



Das Adelsgewand nähte ich aus schwarzem Leinen, komplett gefüttert mit schwarzem Leinen, besetzt mit weissem Seidensamt. Der Einsatz ist bestickt mit Süsswasserperlen und Bergkristall, so wie der Hut, eine stumpfe Hennin bezogen mit schwarzem Seidensamt. Als Schleier diente mir ein Provisorium eines Seidenschals. Das burgundische Kleid wurde in der Zeit um 1450 getragen.

Ncht weniger prunkvoll waren die Hüte der vornehmen Leute. Männer trugen Chaperons, zusammengedrehte Gugeln mit der Öffnung auf dem Kopf durch alle Bevölkerungsschichten hindurch, lediglich die Ausführung unterschied sich stark. Benutzte der einfache Mann Wolle, so durfte es beim Adel Seide sein. Frauen trugen Spitzhüte, die bekannte "Schultüte" auf dem Kopf, mit 2 Spitzen eine sogenannte Doppelhennin, mit Wülsten, Schleiern und anderen Raffinitäten. Es gab nichts was es nicht gab. Auch sie waren über und über mit Edelsteinen und Perlen bestickt.


Die Kleidung des aufstrebenden Bürgertumes


Die Kleidung des städtischen, reichen Bürgertums unterschied sich nur unwesentlich von der des Adels. Die Formen und Stilmerkmale waren die gleichen wie die der adeligen Kleidung, jedoch in Ausführung unterschieden sich Adel und Bürgertum sehr. Seit je her unterschied sich der Adel durch die Kleidung vom Volk, so sollte es auch bleiben. Den Bürgern waren sog. Kleidervorschriften auferlegt, die von Stadt zu Stadt anders waren und an die sich jeder zu halten hatte, um die Putzsucht des Bürgertums zu dämmen. Wer sich nicht daran hielt, bekam eine Spiegelstrafe*. Es durfte kein Brokat, kein Seidensamt und keine edele Seide verwendet werden. Den Bürgern war die billige Schappseide vorbehalten. Die Kleider und die Schleppen durften nur 2 Finger breit über dem Boden schleifen und der Schleier durfte nur eine bestimmte Länge haben. Auch dürfe der Arbeitslohn des Schneiders die Kosten für die Stoffbeschaffung nicht überschreiten, was daraus schliessen lässt, das die damalige Kleidung sehr bunt und sehr aufwändig gewesen sein muss.

Eine Kleiderordnung zu erlassen, macht keinen Sinn, wenn sich vorher niemand einen Fehltritt geleistet hat. Und noch weniger Sinn macht es, wenn laufend neue Ordnungen herausgegeben werden, auf die immer härtere Strafen auferlegt werden, wenn man sich an die älteren Ordnungen hält. Die Kleidung muss sehr vielfältig gewesen sein. Heutzutage kennen wir vermnutlich nur einen Bruchteil dessen, was früher getragen wurde.



Die Bauern - so arm?


Die Kleidung der Bauern und des einfachen Bürgertums unterschied sich nur unwesentlich, aber auch sie versuchten der höfischen Mode gerecht zu werden - auf ihre ganz eigene Art. Das Hauptmaterial für Oberbekleidung war Wolle, abgefüttert mit Leinen, wer es sich leisten konnte, auch bunt. Die gängige Klamotte für Frauen war ein enges, auf den leib geschnittenes und geschnürtes Kleid mit kurzen Ärmeln, unter dem das gebleichte oder weisse Leinenunterkleid hervorschaute. Saumweiten von über 6 Meter waren auch bei den Bauern keine Seltenheit. Wen der Rock beim Arbeiten störte, klemmte diesen kurzerhand in den schmalen Gürtel. An diesen kurzen Ärmeln wurden häufig Festtagsärmel angesteckt oder angenestelt, aus Schappseide oder Wolle, in die Muster gewebt waren. Für kalte Tage oder zu besonderen Anlässen trug sie eine Houppelande, allerdings in der Ausführung sehr viel einfacher als die des Adels, aus dicker Wolle, abgefüttert mit Leinen und andersfarbige Wolle oder billiger Pelz wie Kaninchen, Eichhörnchen oder Nutria (Bisamratte). Die Klamotten waren nicht durchgehend einfarbig, sondern bunt, mit bunten Ärmeln, andersfarbigen Keilen, im späten 15. Jhdt. setzten sich Kleiderschlitze durch. Überall waren die Kleider geschlitzt, damit das bunte Futter hindurch blinzeln konnte.

Die Unterkleidung war durch alle Schichten hindurch gleich, ein linnenes gebleichtes oder weisses einfaches Kleid, an kalten Tagen wurde die ärmellose Chemise darunter getragen. Männer trugen die Brouche, die "mittelalterliche Unterhose" und ein Leibhemd. Der Adel trug diese Stücke auch, allerdings aus Seide gemacht

Als Kopfbedeckung dienten kunstvoll gewickelte Hauben aus weissem oder gebleichten Leinen, je nach Geldbeutel. Im frühen 15. Jhdt. war der Modehit der Kruseler, ein Schleier mit eingewebtem krausen Rand. Einfache Schleier dienten Jahrhunderte lang und bis in die Neuzeit als einfache Kopfbedeckung. Die Wulsthaube jedoch stielte der stumpfen Hennin, die auch Bauern zu besonderen Gelegenheiten trugen und allen anderen Kopfbedeckungen im späten 15. Jhdt. die modische Vormachtsstellung. Ein Mensch galt damals im 15. Jhdt. als "nackt" sobald er keine Kopfbedeckung mehr trug. Deshalb sind Darstellungen von splitternackten Menschen nur mit Kopfbedeckung keine Seltenheit.

Männer trugen ebenfalls die modische Wams/Hosen-Kombination. Hatte das Wams im norddeutschen Raum noch burgundische Stilmerkmale, geschlossen und mit Puffärmeln, waren sie in Süddeutschland der italienischen Mode unterworfen mit graden Ärmeln und einem V-Ausschnitt. Ein teueres und sicher aufwändigeres Doublet konnten sich viele Bauern nicht leisten. Die Klamotten waren aus Wolle, abgefüttert ebenfalls mit Wolle oder Leinen. Der altmodische Umhang diente nachts oft auch als Decke. Er wurde gern von Soldaten, Pilgern und Boten getragen. Während der kurze Umhang auch nur eine Modeerscheinung war und eigentlich nur bei Hofe getragen wurde. War das Wetter schlecht, wurden über den Hosen auch die längst altmodischen Beinlinge getragen, um die Hosen nicht zu sehr verschmutzen oder als Kälteschutz. Auch ärmere Leute, die kein Geld für Stoff für eine ganze Hose hatten, trugen sie noch. Gugeln, von beiderlei Geschlecht getragen, konnten ebenfalls einen unterschiedlichsten Formenreichtum besitzen. Lange Zöpfe oder Sendelbinden schlang man sich kunstvoll um den Kopf, geschlitze Schulterpartien waren modisch, welche die bis zum Ellbogen reichten, waren ein optimaler Wetterschutz, Soldaten beschränkten ihren Stoffverbrauch einer Gugel auf das mindeste, um im Kampf nicht gehindert zu werden.


soziale Randgruppen - fahrendes Volk, Huren, Juden, Bettler und Aussätzige


Sie waren, nicht wie fälschlicherweise angenommen, oft nicht durch die Kleidung gekennzeichnet, sondern duch Zeichen. So durfte das fahrende Volk keine Kopfbedeckungen tragen, Huren mussten entweder gelbe Bändchen an den Armen tragen und/oder sie durften keinen Schmuck tragen. So war das in den allermeisten Städten. Juden trugen gelbe Davidssterne auf den Klamotten und waren in eigene Viertel einquartiert, damit man gleich alle Juden auf einmal festgesetzt hatte, falls sie für irgend etwas wieder die Schuld zugewiesen bekamen. So schlug sich der Hass auf die Juden nieder.

Bettler trugen das, was sie grade hatten. Auf Bildern werden sie oft nur mit Leibhemd, Brouche und Fusswickel dargestellt. Aussätzige durften nur aschfarbene Hemdkleider tragen mit komplett verhüllten Körpern und Gesichtern. Sie durften sich nur ausserhalb jeglicher Siedlungsgemeinschaften und Städten an bestimmten Orten aufhalten.

Wieviel Mythos und Wahrheit über die Überlieferungen in der Armen-Bevölkerung-Klamotte steckt, kann man bislang nicht gesichert sagen. Für die damaligen Menschen minderwertigen Kleider und Zubehör hat niemand einen Schrein gebaut, in denen normalerweise Pontifikalkleidung aufbewahrt wird.


Accesoires


Die Standardaccesoires aller Bevölkerungsschichten waren der Almosenbeutel, nur Almosengaben aufbewahrt wurden, die Sonntags nach der Messe und nur dann an die Bettler verteilt werden dürfen und der Paternoster, eine Frühform des Rosenkranzes, erste eine Schnur, später die bekannte Rosenkranzform. Es war ein Perlenstrang aus Knochen, Holz, Edelsteinen und sogar Edelmetallen. Der Einfachheit halber beim Beten und dem Verzählen vorzubeugen fügten die Mönche im 12. Jhdt. alle 10 Perlen eine grössere ein, um das Beten zu erleichtern. Im 15. Jhdt. war der Paternoster oft nur ein Statussymbol, Und es wurde mit wertvollen Perlen wie Koralle, Edelstein und anderen wertvollen Materialien je nach Geldbeutel geprotzt. Gewandnadeln, um Hauben und andere Dinge festzustecken waren oftmals mit Perlen oder Edelsteinen am Kopf verziert. Der Gürtel der Frauen war nicht breiter als 1,5 cm, beschlagen mit Riemenzunge und Garnitur aus Messing, Männergürtel waren breiter, da Männer meist mehr am Gürtel tragen mussten. Umhängetaschen aus Leinen wurden universell für alles mögliche gebraucht und es gab sie in vielen Grössen.

Gürtelschaukel aus Messing, 15. Jh., Nachguss eines Originals

Gürtelbeschlag aus Messing, 15. Jh., Nachguss eines Londoner Latrinenfundes

Schmuck war damals wegen dem hohen Preis allein dem Adel und höhergestellten Personen vorbehalten. Man übertraf sich mit wertvollsten Materialien und den ausgefallendsten Formen. Edelsteine, Perlen und filigrane Goldarbeiten, schmückten den Hals der Frauen. Männer standen dem nicht hinterher. Leider ist aufgrund der dürftigen Fundlage kein Schmuck, weder auf Bildern noch in Latrinenfunden, von einfachen Leuten überliefert. Aber es wurden christliche Abzeichen gefunden, die, wie man vermutet, Anhänger gewesen sein könnten. Pilgerabzeichen sind bekannt und die meisten Menschen im Spätmittelalter trugen sie aus religiöser Inbrunft und aus Angst vor dem jüngsten Gericht.

Accesoires: Gewandnadeln, mit und ohne Bernstein, Nacharbeit von Originalen, 15. Jh.; Pater Noster aus Holz, Aquamarin- und Amethystperlen, Seidenquasten; elsässischer Vierpassbecher, 15. Jh.; Nestelschnur aus Leinen in Fingerloop, Nestelspitzen aus Messing, in Wachsgussverfahren hergestellt.

Die Symbolik der Farben

Die Farben Grün und Rot, Hoffnung und Liebe, spielten im 15. Jhdt. beim Adel keine besondere Rolle mehr. Blau spiegelte Loyalität wieder und Schwarz war ohnehin wegen des hohen Preises dem einfachen Volk verwehrt und beim Adel äusserst beliebt - als Modefarbe. Die Farbsymbolik verlor sich im 15. Jhdt, wie die Symbolik der Gesten. Alte Werte, die das ganze Mittelalter hindurch geschätzt waren und die das Verhalten der Menschen bestimmten, wie Farbsymbolik, Gestensymbolik, Treue dem Herrscher gegenüber, traditionelle Werte und Bräuche verschwanden im 15. Jhdt in ihrer ursprünglichen Form und wurden im 15. Jhdt. zur Floskel.

Das 15. Jhdt. war eine Zeit des Umbruchs. Die Mode war ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung der sozialen Strukturen. Sie kurbelte die in diesen Zeiten sehr wichtige textile Wirtschaft an und verhalf vielen Städten und Regionen zu Reichtum und bis heute andauernder Bekanntheit.

*Spiegelstrafe: Ehrenstrafe




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